Abpfiff: Die zweite Seuchensaison im Amateurfußball endet vorzeitig

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Abpfiff: Die zweite Seuchensaison im Amateurfußball endet vorzeitig

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Westfalen, Niederrhein und Mittelrhein stoppen die Saison im Gleichschritt: Die Spielzeit 2020/21 wird annulliert, als hätte es sie nie gegeben. Die Erleichterung über das Ende der Corona-Hängepartie ist groß, wie sich bei einer Pressekonferenz des westfälischen Verbandes zeigt.

Nun also doch klare Kante: Wie gestern bereits berichtet, ist die Saison 2020/21 im westfälischen Amateurfußball beendet. Darauf hatte sich die Ständige Konferenz des Westfälischen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes (FLVW) mit dem Präsidium und den Vorsitzenden der Fußballkreise am Samstag verständigt. Am Sonntag stimmte auch der Verbandsfußballausschuss zu. Eigentlich wollte der Verband die Botschaft am Montag unters Fußballvolk bringen. Doch bereits am Sonntag wurden die Beschlüsse öffentlich, obwohl Stillschweigen vereinbart worden war. Offenbar sahen einige Teilnehmer das als unverbindliche Anregung an.

Fakt ist: Anders als in der ersten Corona-Seuchensaison vor einem Jahr werden alle Spielklassen – ganz gleich, wie viele Partien absolviert sind – annulliert. Aufsteiger und Absteiger gibt es nicht. „Die Saison hat es nicht gegeben“, betonte am Montag in einer Pressekonferenz Manfred Schnieders, FLVW-Vizepräsident Fußball. Am 15. August gehen alle Klassen in derselben Besetzung noch einmal neu an den Start. Ausnahme: die Oberliga. Die Klasse, die mit 21 Mannschaften ohnehin schon aus den Nähten platzt, muss einen Absteiger aus der Regionalliga aufnehmen – wenn das Schlusslicht ein westfälischer Klub ist. Aktuell ist dies Rot-Weiss Ahlen.

„Rechtlich geboten, moralisch vertretbar“
FLVW-Präsident Gundolf Walaschweski räumte ein: „Ich bin erleichtert. Die Situation hat bei allen an den Nerven gezerrt.“ Mit dem FLVW beenden auch seine Partner im Westdeutschen Fußballverband, die Landesverbände Mittelrhein und Niederrhein, die Spielzeit. Schneller sei die Entscheidung nicht zu haben gewesen, erläuterte Manfred Schnieders: „Wir haben sie so lange aufgeschoben, wie es rechtlich geboten und moralisch vertretbar war.“

Entscheidend war am Ende offenbar die Verlängerung der Corona-Schutzverordnung in NRW, die voraussichtlich bis in den Mai hinein gelten soll und Kontaktsport im Freien untersagt. Damit sei allen Rechnungen, zumindest 50 Prozent der Spiele zu erreichen, der Boden entzogen. Dies gilt auch für den Jugendspielbetrieb, der ebenfalls ab sofort beendet ist. Noch nicht äußern wollte sich Schnieders zum Westfalenpokal: In einer Videoschalte mit allen im Wettbewerb verbliebenen Klubs soll geklärt werden, ob und wie ein Teilnehmer für den DFB-Pokal 2021/22 ermittelt werden kann. Eine Entscheidung ist für Mittwoch angekündigt.

Fußballkreis Recklinghausen macht kurzen Prozess
Fußballkreis-Chef Hans-Otto Matthey wusste als Teilnehmer der Ständigen Konferenz bereits seit Samstag, was gespielt wird. Matthey schloss sich deshalb schon einen Tag später mit seinem Kreisvorstand kurz. Der Grund: Ihren Spielbetrieb organisieren die Fußballkreise autonom. Deshalb war auch im Kreis offiziell eine Entscheidung zur Annullierung aller Spielklassen nötig. Die gab es dann auch für den Seniorenfußball. Auch der Kreispokal wird abgebrochen. Die Jugend wird nachziehen. Ein Schritt, den Matthey aufgrund der Entwicklung der Corona-Pandemie längst für zwingend hielt.

„Es kam uns eben darauf an, in Westfalen im Gleichschritt zu marschieren.“ Das ist nun geschehen. Die Spannung ist zunächst heraus, aber die Sorge vor dem unberechenbaren Virus hat sich damit nicht erledigt. Hans-Otto Matthey blickt bereits voraus auf die kommende Spielzeit. „Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Jetzt wünschen wir uns nur, dass wir im August endlich wieder Fußball spielen dürfen und die Kinder dann spätestens im September auch.“ Das darf man dem 70-jährigen Recklinghäuser abnehmen: Es ist schließlich Mattheys letzte Saison als Vorsitzender des FLVW-Kreises Recklinghausen.

Quelle: Thomas Braucks/24Vest